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Ruben

Der neugestaltete Anger in Ruben

 

Niedersorbischer Name: Rubyn

Einwohner: 207

 

 

Als um 800 u. Z. sich die westslawischen Völker in den fast leeren Räumen zwischen Bober, Oder, Spree und Elbe ansiedelten, blieben einige von den später so genannten wendischen Lusizi an einen bewaldetem Flecken am Südrand des von der Spree durchflossenen Urstromtals zurück. Der Wald musste für ein neues Dorf weichen, dessen Name Ruben noch heute an die körperlich schwere Arbeit des Rodens erinnert, da er vom altslawischen „rub-n“ – Ort an dem gefällt wird – und „rubati“ für roden, Holzhauen, schlagen herkommt.

 

Das Holz wurde aber in jenen fernen Zeiten auch benötigt, um eine runde Wehranlage zu errichten, eine Burg, wie sie modern in Raddusch nachgebildet worden ist, denn es waren unruhige Zeiten. Das Land scheint in kleine Herrschaften zersplittert gewesen zu sein, wie Archäologie Biermann meint.

 

Alle paar Kilometer eine solche Slawenburg – in Ruben an jener geheimnisvollen Stelle, die heute „Dübschens Schanze“ heißt. Was nun noch steht, ist ein baumbewachsener Sandhügel, in der Form vor mehreren Jahrzehnten erst deformiert, weil der 1000-jährige Vorfahrenbau zum Zuschütten der Pfuhls in der Dorf-Mitte und Ebnung der Aue als Kiesgrube benützt.

Wer einst in der Burg dort residierte, ist nicht bekannt. Der erste lesbare Nachweis des Ortsnamens steckt im Namen seines Herrn, der als Zeuge in einer alten Urkunde steht, ähnlich wie beim Henricus, der den Cottbusern ihren Feieranlass bot.

 

Urkunde von 1317

 

Urkunde von 1317

 

Jacob von Ruben – in der Urkunde Nr. 27 des Klosters Neuzelle, datiert auf den 16. August 1317 Peitz, lateinisch als Jacobus de Rubyn - lebte also vor fast 700 Jahren auf diesem Sandfleck. Kein Mensch weiß heute, was aus Jacob geworden ist. Vielleicht zog er für den Lausitzer Markgrafen im Aufgebot des Cottbuser Herrn in den Krieg, aus dem er nicht wieder zurück kam. Nach ihm gab es kein eigenes Gut mehr in Ruben, der Herr saß mal in Werben und dann meist in Papitz. Vier Bauern aus Ruben nährten den Werbener Pfarrer, zu dessen Parochie das Dorf noch heute gehört.

 

Auszug des Jacob von Ruben

Auszug des Jacob von Ruben. (Montage Radochla)

 

Sagenhaftes Ruben

 

Geht man nach der Sage, hatte Ruben einfach Glück: Als der Teufel die Herren übers Land verteilte, die er in einem Sack auf dem Rücken trug, blieb er damit an der Werbener Kirchturmspitze hängen und zerriss ihn versehentlich. Die letzten fünf Gutsherren fielen durch das Loch auf Werben. Für Ruben blieb keiner übrig.

 

Teufel-Herren

 

Der Teufel verliert die Gutsherren.

 

Von einer anderen geheimnisvollen Stelle berichtet eine weitere Sage. Dort wo die Grenzen von Ruben mit denen von Papitz und Gulben zusammentreffen, beim Totenweg, waren vor historisch kurzer Zeit um Mitternacht drei wendische Viehtreiber unterwegs. Plötzlich wurden sie durch lautes Hundegebell, Peitschenknallen und das Schnauben von Rossen erschreckt. Ein furchtbarer Sturm erhob sich. Die Männer bekamen es mit der Angst. Einer zog sogar sein Messer. Doch da war alles schon wieder vorbei. Man sollte doch wissen, dass an dieser Stelle der Nachtjäger seinen Strich hatte und dort zuweilen scheechte. Auch an der Ruben-Guhrower Grenze war er einst nachts anzutreffen. Auf dem heute großen Schlag links der Straße mit dem Pfuhl mittendrin stand vor Zeiten der Guhrower Galgen, von dem er sich die Gehängten geholt hat.

 

Ruben einst und heute

 

Postkarte

 

Eine alte Postkarte

 

Mit den doch armen Böden ringsum konnte das Dorf nicht groß und reich werden wie Cottbus oder unter Touristen berühmt wie Burg, da der einzige Graben jetzt fast immer trocken liegt. Nur etwa zwei und ein halbes Hundert Leute hielt und hält es beständig hier. Wendische Bräuche werden noch begangen, wendische Trachten ausgeführt bei der Fastnacht und dem Hahnschlagen. Manchmal fällt das Erntefest in den letzten Jahren auch aus, weil es zu wenig Jugend gibt. Die wendische Sprache gibt es auch noch, öffentlich in der Zweitversion der Dorffestansprachen.

 

Politisch war für das Dorf Ruben 1972 das Ende kommunaler Eigenständigkeit gekommen und ist es seit der letzten Gebietsreform zum Gemeindeteil des größeren Nachbarn Werben erhoben worden. Bei den letzten, wohl historischen Bürgermeisterwahlen in Werben unterlag Uwe Noack von der WG Ruben dem Amtierenden von der CDU um lediglich 3 Stimmen.

 

Das Dorfleben wird bestimmt durch zwei Vereine: Feuerwehr und Domowina-Ortsgruppe. Gefeiert wird im Dorfgemeinschaftshaus, der „alten“ Schule, die eigentlich die neuere, aber heute eben doch ehemalige Schule ist, 1926 gebaut und kurioserweise im Niederwendischen Gebiet laut Fassadenschrift „Der Deutschen Jugend“ gewidmet. Die alte alte Schule, dem ehemaligen Gasthaus gegenüber, 1826 – also 100 Jahre vor der neuen alten Schule entstanden - fällt nächstens bald in sich zusammen, sollte nicht ein bauwilliger Retter kommen. Alles Ehemalige, neben Schule und Gasthaus auch der Konsum – wie fast überall im Lande. Den nutzt nun die Feuerwehr als Ergänzung zu dem kleinsten Feuerwehrhaus im Amte.

(Rolf Radochla)