Frühjahrsbräuche
Die meisten Bräuche der Sorben/Wenden ranken sich rund um das Osterfest. Am bekanntesten sind die wunderschönen, verzierten Ostereier. Das Ei gilt seit alters her als Fruchtbarkeitssymbol. Deshalb ist der Brauch des Verschenkens von Eiern ein jahrhundertealter Frühlingsbrauch. Das Färben und das Aufbringen von Symbolen und Verzierungen dient nicht nur der Schönheit, sondern ist mit dem heidnischen Glauben verbunden und soll Wünsche übermitteln. Dreiecke um Kreise, so genannte Wolfszähne, symbolisieren Schutz vor dem Bösen. Die Strahlenbündel und Sonnensymbole stehen für die Quelle des Lichts, das alles Leben entstehen lässt. Das Sonnenrad oder die aufgehende Sonne sind solche Zeichen. Das Sonnenrad mit Wolfzähnen geschützt soll dem Beschenkten Lebensglück bringen und wird doppelt geschützt, durch den Kreis und die nach außen gerichteten Dreiecke.
Am meisten verbreitet ist die Wachsreservetechnik Dabei werden mit Nadel und Federkiel Wachstupfen auf das Ei aufgetragen und dieses gefärbt. Wer möchte, wiederholt diese Prozedur auf den Farbschichten solange, bis ein ganz buntes sorbisches Ei gefertigt ist. Gebräuchlich sind weiterhin die Wachsbossier-, die Kratz- und die Ätztechnik. Die älteste Erwähnung von sorbischen Ostereiern stammt aus der Zeit um 1700.
Osterfeuer - jatšowny wogeń
Das Osterfeuer ist nicht nur in der Lausitz bekannt. Am Ostersamstag wird auch in Werben ein großes Feuer angezündet. Schon Tage vorher wird durch die Jugend Holz gesammelt, um einen möglichst großen Haufen zu errichten – am besten auf einem Hügel. Denn soweit der Schein des Feuers reichte, sollten die Felder fruchtbar sein. Der Osterfeuerplatz musste gut bewacht werden, denn immer wieder die Jungen aus Nachbarorten, den Holzstoß vorzeitig anzuzünden.
Ostersingen - jatšowne spiwanje
Bis in die 1950er Jahre war das Ostersingen der Mädchen ein weit verbreiteter Brauch in der Lausitz.
In Werben/Wjerbno lebte dieser Brauch in den 2020er Jahren wieder auf. Noch vor Sonnenaufgang ziehen hier die Sängerinnen durch das Werben/Wjerbno und Ruben/Rubyn, um die Osterbotschaft zu verkünden.
Zum Sonnenaufgang treffen sie an der evangelischen Kirche in Werben/Wjerbno ein, wo sie mit dem Osterlicht still in das noch dunkle Gotteshaus zur Andacht einziehen. Anschließend werden die Osterglocken geläutet und Posaunenchor musiziert im Kirchhof.
Osterwasser - jatšowna wóda
Der Brauch des Osterwasserholens ist verknüpft mit dem Glauben an Reinheit und Gesundheit. In der Osternacht vor Sonnenaufgang gingen die Mädchen zum Fließ, um das Wasser zu schöpfen, das Gesundheit, Schönheit und ewige Jugend versprach. Vereinzelt wurden auch das Vieh und Felder mit dem heilkräftigen Wasser besprengt.
Während ihres Weges zum Fließ und zurück durften die Mädchen weder sprechen noch lachen. Die Jungen spielten ihnen aber oft einen Streich und erschreckten die Mädchen, damit diese das Schweigeverbot brachen. Dann brachten sie nur noch „Plapperwasser“ mit nach Hause.
Patengeschenk - pósćonk
Überliefert ist, dass die Kinder am 1. oder 2. Osterfeiertag zu ihren Taufpaten in die umliegenden Dörfer gingen, um sich eine Ostersemmel nebst drei Ostereiern, einem Pfefferkuchen und einem kleinen Geschenk oder einem Geldstück zu holen.
Die Ostersemmel hat ganz verschiedene Formen. In einigen Spreewalddörfern wird sie aus drei Teigsträhnen geflochten und symbolisiert so die Heilige Dreifaltigkeit. Rund um Burg ähnelt sie einem Spreewaldkahn, symbolisiert aber ein Palmenblatt und ist 40 bis 50 Zentimeter lang. Oftmals hatten die Kinder früher mehrere Paten und bekamen so auch mehrere Ostersemmeln. Dann ließ man sie hart werden und bereitete eine Milchsuppe zu. Oder man stippte sie in gesüßten Kaffee oder Milch.
Der Maibaum – Majski bom
Der Maibaum oder die Maizweige, die man sich in die gute Stube stellt, verkörpern den Wachstumsgeist, sollen Gesundheit und Fruchtbarkeit in das Dorf und in die Häuser bringen. Das frische Grün symbolisiert die erneuernde Kraft.
In Ruben/Rubyn wird der Mainbaum am Vorabend des 1. Mai aufgestellt, in Werben/Wjerbno am 1. Mai.
An der Spitze eines meterlangen geschälten Stammes wird eine grüne Birke befestigt und darunter ein Kranz mit bunten Bändern angebracht. Den Stamm zieren oftmals grüne Girlanden. Aufgestellt wird der Maibaum von den jungen Burschen des Ortes und von der Feuerwehr.









