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Erntebräuche - Kokot

Die Sommerbräuche bei den Sorben/Wenden ranken sich um das Ende der Ernte. Eine gute Ernte entschied nicht nur über den Wohlstand der besitzenden Bauern, sondern auch, ob die ärmeren Leute im Dorf genug zu essen hatten. Unsere Vorfahren glaubten an Geister der Fruchtbarkeit und der Vegetation in der Gestalt eines Tieres. Dem Hahn, sorbisch „kokot“, sprachen sie Kräfte zu, die Ernte zu beeinflussen. War die Ernte beendet, versteckte sich der Hahn unter der letzten Garbe, um neue Kraft für die nächste Ernte zu sammeln. Diese Garbe wurde von den Schnittern mit bunten Blumen und Bändern ausgeschmückt und dabei wurde gerufen: „Źins jo kokot- heut ist kokot“, was soviel bedeutete, dass an diesem Tag die Ernte abgeschlossen war. Die Männer bekamen Sträuße aus Ähren angesteckt. Die Mädchen wunden Erntekränze und auch eine große Erntekrone, womit sie das Ende der Getreideernte bekannt gaben. Danach wurde ausgelassen gefeiert; getrunken, gesungen und getanzt.

 

Hahnschlagen – Zabijaje kokota

 

Hahnschlagen in Ruben

 

Das Hahnschlagen ist der älteste Erntebrauch der Sorben/Wenden. Früher nahmen die Schnitter einen Hahn mit auf das Feld, ließen ihn laufen und fingen ihn wieder ein, um ihn dann mit dem Dreschflegel „totzuschlagen“. Bis zum 17. Jahrhundert wurde der Hahn noch getötet. Heute geschieht das nur noch symbolisch. Der Brauch des Hahnschlagens wird nur noch in wenigen Dörfern der Niederlausitz gepflegt.

 

Hahnrupfen - £apanje kokota

 

Das Hahnrupfen ist der am weitesten verbreitete Erntebrauch in der Niederlausitz. Auf einem geeigneten Platz im Dorf wird aus Balken eine mit grünem Laub umwundene Pforte aufgestellt, und am Querbalken wird an den Füßen, mit dem Kopf nach unten hängend, ein toter Hahn angebunden. Die Burschen durchreiten auf Pferden nacheinander die Pforte und versuchen, dem toten Hahn den Kopf abzureißen. Wem das gelingt, der wird als erster König, sorbisch „kral“, geehrt und gefeiert. Die Burschen, die anschließend die Flügel des Hahnes beim Durchreiten erhaschen, gelten als 2. und 3. König. Die 3 Sieger erhalten große Siegerkränze aus Eichenlaub. Auch hier wählen sich die Erntekönige aus dem Kreis der Mädchen mit verbundenen Augen ihre Partnerinnen aus, um mit ihnen die Ehrenrunde zu tanzen.

 

In Werben feiern nicht nur die Großen das Hahnrupfen. In der Kita „Pusteblume“ lernen schon die Jüngsten das wendische Brauchtum kennen.

 

Kita-Hahnrupfen

 

* Quelle: „Bräuche der Sorben/Wenden in der Niederlausitz“, Herausgeber: Stiftung für das sorbische Volk.