Wendische Fastnacht - Zapust

Eine Werbener Zampergesellschaft.

Das Zampern - Camprowanje

 

Die Wurzeln des Zamperns liegen in vorchristlicher Zeit. Mit magisch-kultischen Elementen wie Lärm, Maskerade, Rutenschlagen und Tanz sollten Dämonen und Gefahren vom Dorf abgewendet werden. Dafür standen verschiedene Symbolfiguren wie der Bär als Symbol für den abziehenden Winter, der Storch und der Schimmelreiter als Symbole für den Frühling, die Zweigesichtige Frau oder die Doppelfigur „Der Tote trägt den Lebenden“. Diese Zamperfiguren sollten die Kräfte der Natur beeinflussen. Heute haben sie ihre Bedeutung verloren und sind nur noch selten in den lustigen Zampergesellschaften zu finden. Stattdessen zieht die Heischegesellschaft in bunten Kostümen durch den Ort, von Hof zu Hof, um Speck, Eier und Geld zu sammeln. Zum Dank wird mit den Hausherren ein Schnäpschen, ein palenc, getrunken und ein Tänzchen gewagt. Die gesammelten Gaben werden später beim „Eieressen“ verspeist.

Der Fastnachtsumzug – Zapustowy pśeśěg

 

Der Festumzug zum Zapust entstand erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts und ist heute der Höhepunkt der alljährlichen Fastnacht. In Werben wurde 2020 bereits die 180. Fastnacht gefeiert. Während die Jugendfastnacht bis heute fast ohne Unterbrechung gefeiert wurde, konnte die Männerfastnacht erst 1986 Dank dem Engagement einiger Frauen wieder ins Leben gerufen werden.

 

Die Mädchen und Frauen tragen an diesem Tag die wendische Festtagstracht. Das Ankleiden wird bis heute von den Ankleidefrauen übernommen. Vollständig ist die Tracht erst mit der „Lapa“. Die Mädchen und Frauen stecken den Männern einen Strauß mit farbigen Bändchen als Erkennungsmerkmal an den Hut oder einen aus Papierblumen gefertigten Zapust-Strauß an das Revers.

 

In Werben/Wjerbno ist es üblich, dass sich Jungen und Mädchen getrennt treffen; die Jungen im „Stern“, die Mädchen in der Gaststätte „Smalla“. Dann geht es zur Dorfaue zur Ansprache und zur Aufstellung. Denn nach altem Brauch gibt der Jugendchef erst hier die Zusammenstellung der unverheirateten Paare bekannt. Beim anschließenden Umzug wird verdienstvollen Einwohnern wie Pfarrer oder Bürgermeister, einen Ehrenbesuch abgestattet. Der Abend klingt beim Fastnachtstanz im Gasthaus aus.

Es ist überliefert, dass zur Fastnacht fleißig getanzt werde, damit der Flachs gut gedeihe. Damit er möglichst lang werde, soll man hoch springen oder mit einem großen Jungen tanzen.

 

Der Zapust endet mit der Männerfastnacht. Der letzte Tanzabend ist den verheirateten Paaren vorbehalten.

 

* Quelle: „Bräuche der Sorben/Wenden in der Niederlausitz“, Herausgeber: Stiftung für das sorbische Volk.

Der Fastnachtszug zieht durch Werben/Wjerbno. Im Hintergrund die Kirche.